Rosas Herz

von Ayeda Alavie

In einem tiefblauen Ozean gibt es eine grüne Insel, auf der die Kinder mit zwei Herzen zur Welt kommen. Jedes Kind hat ein kleines unsichtbares und ein großes sichtbares Herz. Die großen Herzen sind so groß, dass die Kinder sie wie Luftballons außerhalb ihrer Körper bei sich tragen und überall mit ihnen hinfliegen können.
Eines Tages verbietet aber der König die großen Herzen. Rosa ist das einzige Kind, das trotz des Verbots mit seinem großen Herzen zur Schule fliegt.

Ein reich illustriertes Vorlesebuch über die Freiheit und den Mut, sich selbst treu zu bleiben.

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»Das Buch ist auf feine Weise sozialkritisch, rührend, nachdenklich stimmend – doch Rosa kann letztlich frohen Herzens sein, da die Geschichte gut ausgeht und Hoffnung macht auf einen Zusammenhalt im Kollektiv.«
Süddeutsche Zeitung, 21.12.2021


Rezension:

Wer „Rosas Herz“ von Ayeda Alavie liest und sich anschaut, der sollte auch zwischen den Zeilen lesen können und hinter die Bilder schauen. Eine Insel im blauen Ozean, auf der Menschen mit zwei Herzen geboren werden, deren großes sichtbares ihnen das Fliegen ermöglicht – das könnte der Beginn einer fantastischen Geschichte sein, die uns ganz weit weg von unseren gesellschaftlichen Formen führt. Leserinnen und Leser erkennen aber recht bald, dass die Autorin uns im Gegenteil zu unseren Gesellschaftsformen führt, in dem sie zeigt, was passiert, wenn falsch verstandene Gleichmacherei, fehlgedeutete Erziehungsstrategien (große Herzen – große Probleme) mit einer umsichgreifenden Technisierung und Bürokratisierung einhergehen: Es entstehen Lager, die Gesellschaft spaltet sich. Und wo es Lager gibt, da existiert schnell Ausgrenzung.

„Mit dem Eintritt in die Schule haben sich alle Bewohner des großen Herzens zu entledigen!“ Wer in der Zeile diktatorische Züge vernimmt, liegt richtig. Ein großes Herz, das noch zum Fliegen einlädt, kann nicht Machthabern gefallen, die ein gleichgeschaltetes Volk wünschen. Rosa und ihre Großmutter, die sich nicht ihrer großen Herzen berauben lassen wollen, sehen sich von Wächtern (Ministerien) und Sittenrichtern (Lehrkräften) verfolgt. Erst der Absturz eines fremden Piloten – der Kultur, Sprache u. Lebensgewohnheiten der Inselbewohner nicht mächtig – dreht die Herrschaftsverhältnisse. Was sich vorher rechtfertigen musste (die mit dem verbotenen großen Herzen), bestärkt nun die Kräfte, die ihr großes Herz abgeschnitten hatten, es ihrerseits wieder zu suchen, zu flicken und zu heilen.

Die Großherz-Revolution ist eingeleitet und mit ihr eine Wende zu mehr Leichtigkeit, Menschlichkeit und Freiheit. Wem fallen da nicht Länder ein, denen solch eine Entwicklung zu wünschen wäre?

Christian Kühn, Oldenburger Kinder- und Jugendbuchmesse, 2019